Nun ja, nachdem wir die erste Strecke gemuetlich auf dem Ruecksitz von Motoraedern zurueckgelegt hatten, stellte sich bald heraus, dass es wohl doch keine "kleine Wandertour" werden sollte, denn es ging steil bergauf und das bei schwuelen 35 Grad im Schatten.....
Zwar versuchte Johannes uns und vor allem Nancy und Irmela mit selbstgepflueckten Vanilleschoten und interessanten Geschichtchen aus seinem Leben zu motivieren, doch fuer die beiden Stand dann nach der Haelfte des Tages fest, dass sie schon morgen mit dem Bemo nach Hause fahren wuerden.
Unser Weg fuehrte uns unterdessen durch wunderschoene Reisterassen und Kakaoplantagen und in kleine traditionelle Toraja Doerfer wo wir kurze Pausen machten um mit den Kindern und Dorfaeltesten zu plaudern.
Gegen Abend kamen wir dann ziemlich erschoepft aber zufrieden in "unserem" Toraja Dorf an, wo wir uebernachten sollten. Ein altes Ehepaar hatte extra fuer uns ihr Haus geraeumt und dann sassen wir auf der Terasse, schauten den Kindern beim spielen zu und warteten bis es etwas zu essen gab. Wie sich schnell rausstellte, war dies ein ganz besonders traditionelles Dorf, denn als es dunkel wurde und wir die Gluehbirne anknipsen wollten, tat sich nichts: Strom, wie man uns erklaerte, gibt es hier wohl nur an manchen Tagen, wenn Benzin fuer den Generator da ist......Ah ja!
Also stolperten wir im Dunkeln zu der kleinen Kueche, in der uns das Grossmuettchern mit Tatkraeftiger Unterstuetzung von Johannes Reis und Huehnchen (das er extra fuer uns geschlachtet hatte, wie er stolz erklaerte) gekocht hatte und sassen beim gemuetlichen Licht einer Gaslampe auf dem Boden und redeten ueber Gott und die Welt (Johannes ist wirklich ein passionierter Christ und konnte gar nicht genug davon bekommen mit uns ueber Religion und Kinder kriegen und Dating in Deutschland zu diskutieren).
Spaeter sind wir dann todmuede ins Bett gefallen und haben versucht zu schlafen....hat auch fast geklappt, waeren da nicht diese nervigen Hunde in der Nacht und die Haehne am fruehen Morgen gewesen.
Nach wenig Schlaf und einem etwas einseitigem Fruehstueck aus trockenem Toast gings dann zu viert weiter, Nancy und Irmela hatten sich schon frueh auf zum naechsten Bemo gemacht, mit dem sie nach Rantepao fahren wollten.
Johannes erklaerte froehlich, dass wir dann ja nun den schwierigen Weg nehmen koennten und ich ahnte Schlimmes.... Unser hochmotivierter Guide wollte eine "neue Route" ausprobieren, doch leider kannte er selber auch nicht den Weg und so stolperten wir mehr oder weniger ziellos durch die Reisterassen, bei besonders steilen Abhaengen bekreuzigte sich Johannes und schaute zum Himmel, was mich nicht wirklich beruhigte und staendig mussten wir umkehren und nach dem Weg fragen. Dafuer wurden wir mit wunderschoener Landschaft und einem fantastischen Ausblick entschaedigt.
Irgendwann kamen wir in die Naehe eines Toraja Dorfes von dem ein mir seltsam bekannter "Geruch" aufstiegt. Und wirklich, nach kurzer Zeit bestaetigte sich meine Befuerchtung als Johannes uns freudig mitteilte, dass wir Glueck haetten und ein "second slaughtering" beobachten koennten! Oh nein, nicht schon wieder ne Beerdigung!
Wie uns Johannes erzaehlte war die Beerdigungszeremonie in diesem Dorf schon an ihrem letzten Tag, was hiess, dass heute alle Bueffel getoetet wurden. Was ich dann auf dem Dorfplatz sah glich einem Schlachtfeld oder einer Szene aus einem Splatter Movie: es lagen bestimmt 20 oder mehr Bueffelkadaver rum oder besser gesagt, dass was von ihnen uebrig gelieben war, denn die Dorfbewohner waren fleissig gewesen und hatten grosse Haufen von Eingeweiden, Knochen, Schaedeln, Haueten und ausgeleerten Maegen gemacht....da lagen sie nun fein saeubrlich sortiert seit drei Tagen in der Sonne! Ihr koennt euch vielleicht vorstellen, was fuer ein uebler Geruch mittlerweile durch das Dorf wehte!
Ich waere am Liebsten sofort wieder gegangen, dass hier war wirklich schlimmer als alles was ich bei der ersten Beerdigung vor zwei Tagen gesehen hatte, aber die Toraja Leute freuten sich wie die Schneekoenige ueber unseren Besuch und luden uns zu Tee und Keksen ein...
Appetit hatte ich nun wirklich keinen mehr, aber nachdem uns erklaert wurde, dass gleich der Priester kommen sollte um einen Gottesdienst an Ort und Stelle zu veranstalten, konnten wir die Einladung nun wirklich nicht ablehnen.
Da sassen wir nun, jeder mit der Tasse Tee inner Hand, einem Teller Plaetzchen vor uns, von dem sich Johannes auch reichlich bediente und machten ein paar Fotosessions mit den Dorfbewohnern. Ich versuchte mir dabei so unauffaellig wie moeglich die Nase zuzuhalten oder nicht zuviel zu atmen.
Kurze Zeit spaeter kam wirklich eine Pastorin und hielt unbeeindruckt von den riesigen blutigen Fleischhaufen die da vor ihr lagen einen Gottesdienst ab. Denn die Toraja sind ja eigentlich Christen und so sangen sie alle besgeistert die Kirchenlieder mit. Das hier war wohl die ungewoehlichste Predigt die ich je gesehen habe und ein gutes Beispiel dafuer, wie dicht christliche Religion und animistischer Glaube in Indonesien nebeneinander exestieren koennen.
Ein aufziehendes Gewitter bot uns dann die Gelegenheit uns unbemerkt davon zu schleichen (die Pastorin hatte uns vorher staendig im Auge, sodass sich Johannes nicht traute aufzubrechen), denn wir wollten ja moeglichst im Trockenen nach Hause kommen. Haben wir dann auch geschafft, dank einiger Jungs die uns in rasantem Tempo auf ihren Motoraedern zurueck nach Rantepao fuhren.
Jetzt hab ich aber erstmal wirklich genug von Beerdigungszeremonien!
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