Donnerstag, 27. November 2008

Hati-hati - ada upacara lagi!

Dieser kleine Satz (heisst soviel wie: Vorsicht, religioese Zeremonie!) begenet einem staendig hier auf Bali... die Balinesen sind eben ein sehr religioeses Voelkchen und der Hinduismus bietet ne Menge Gelegenheiten fuer Zeremonien und Feste! Da die meistens rest aufwendig sind und teilweise riesige Ausmasse annehmen, werden schonmal ganze Strassen gesperrt (wenn man Glueck hat, denn sonst kommen einem ohne Vorwarnung Prozessionen mitten auf dem Bypass entgegen).



Diesmal war auch unser Campus betroffen und zur Freude aller Studenten is mal wieder der Unterricht ausgefallen (ja, ich finde jedes Land sollte soviele Feiertage haben wie Indonesien)!
Gefeiert wurde der fuenfte Vollmond des Jahres, oder so aehnlich...ganz habe ich das nicht verstanden! Mit ausschlafen war allerdings nicht, jedenfalls nicht fuer die hinduistischen Studenten und auch fuer uns nicht, denn wir bekamen per SMS ne Einladung vom Rektor hoechstpersoenlich, dass wir doch bitte zur Zeremonie puenktlich um neun erscheinen sollten - natuerlich in traditioneller Balinesischer Tracht, wie sich versteht.....klar, kein Problem!


Unsere Dozenten in Feierlaune...

Da wir die Kunst des Sarongbindens noch nicht ganz so sicher beherrschen, halfen uns freundlicherweise unsere Dozenten dabei!
Unser Campus hatte sich ueber Nacht in eine heilige Staette verwandelt, ueberall lagen Opfergaben, der Campuseigene Tempel war reich geschmueckt, Raeucherstaebchen brannten und in der Mitte war eine Buehne aufgebaut auf der spaeter eine Vorfuehrung des traditionellen Puppentheaters mit den bunten Wayan-Puppen stattfinden sollte....



Erstmal haben wir uns aber von unseren Freunden Agus und Made in die Geheimnisse dieser Zeremonie einweihen lassen (kann leider nicht behaupten, dass ich den Sinn danach besser verstanden haette)



Und dann gings los mit beten....alle auf den Boden knien und sich von dem anwesenden Priester weihen lassen.



Unsere Dozenten uebten sich derweil geradezu enthusiastisch im Gamelan Orchester spielen....vielleicht ein bisschen ZU ambitioniert, denn unser Studiengangsleiter - Pak Anom - der gerade eine Rede zum Besten geben wollte, beschwerte sich uebers Mikro das "dieser Laerm aufhoeren sollte", woraufhin die Dozenten verlegen etwas sachter auf ihre Instrumente schlugen....



Die Zeremonie war fuer Balinesische Verhaeltnisse erstaunlisch schnell vorbei und so wollten uns Made und Agus noch zeigen, wo die "richtigen Zeremonien" so abgehen - schliesslich war ja auf ganz Bali Feiertag!
Wir sind dann in den groessten Tempel Denpasars gefahren, in den Orang Bule (wir also) normalerweise gar keinen Zutritt zu haben, aber Dank unseres Outfits und unseren Balinesischen Begleitern durften wir einen Blick in diesem wunderschoenen Tempel werfen....



Agus, Made und der Priester des Tempels versuchten uns nun mit vereinten Kraeften in die Geheimnisse der Hinduistischen Religion einzuweihen - gar nicht so einfach, die Bedeutung der verschiedenen Opfergaben, Rituale und Figuren zu verstehen - und das auch noch auf Indonesisch!



Als uns der Priester dann noch erklaerte, dass Hinduismus eigentlich ja eine monotheitische Religion ist, hab ich gar nichts mehr verstanden....



Der Gute war aber ganz offensichtlich angetang von unseren Bemuehungen und schlug uns doch dann glatt vor uns einen Balinesischen Mann zu suchen und hier zu bleiben....aeh ja, Verkupplungsversuche im Balinesischen Tempel - auch nicht schlecht!

Mittwoch, 26. November 2008

Ausflug nach Desa Songan

In Bali muss man am besten immer mit allem rechnen....da komme ich gestern mal wieder voellig eingestaubt von meiner morgendlichen Fahrt durch den Grossstadtdschungel Denpasar auf dem Campusgelaende an und werde gleich von einem Dozenten angesprochen...ob Irmela und ich nicht bei einem "Studentenprojekt" mit machen wollten und in dem Doerfchen "Songan" mit der Bevoelkerung ueber regionale Tourismusplanung diskutieren wollten.... Klar, warum nicht??? Ich bezweifle zwar, dass mein Indonesisch ausreicht, um mit denen auch nur ansatzweise ueber mehr als das Wetter zu sprechen, aber man kanns ja mal versuchen!!



Kurze Zeit spaeter stellten wir dann fest, dass es sich wohl eher um ein "Dozentenprojekt" handelte, denn Irmela und ich waren die einzigen Studenten die sich mit drei Dozenten auf den Weg nach Songan machten...na ja, kann ja nicht schaden nen guten Eindruck zu hinterlassen ;)
Unterwegs wurden ganz nachTouri Manier mehrere Foto - Stops eingelegt, damit wir der wunderschoenen Landschaft auch ja genung huldigen kon
nten....eine obligatorische Fotosession samt Dozenten durfte da natuerlich nicht fehlen....



Im Dorf angekommen gings dann an die Arbeit....in so ner Art Community Meeting Raum durften wir auf dem Boden Platz nehmen - Stuehle gabs naemlich keine...dafuer ham wir und ein paar anscheinend sehr wichtige Maenner des Dorfes Songan aber ne schoene Power Point Presaentation von unseren Dozenten zu sehen bekommen.....verstanden haben wir leider fast nichts, aber dafuer war es umso interessanter unsere Mitzuhoerer zu beobachten: Still sitzen und brav zuhoeren??? Nicht in Indonesien....da wird waehrend des Vortrags telefoniert, in der Nase gebohrt oder in den Zaehnen rumgestochert, mit dem Nachbarn gequatscht, Zeitung gelesen oder aber laut schmatzend der kleine Mittagssnack genossen und vor allem gaaaaaaanz viel geraucht... Da soll sich noch einmal n Dozent in Deutschland beschweren, dass die Studenten nicht zuhoeren!
Bei der anschliessenden "Diskussionsrunde" waren alle dann
aber wieder ganz bei der Sache....nur das es nicht wirklich ne Diskussion war, denn jeder durfte zwar seine Meinung kundtun....kritisiert oder hinterfragt wurde aber nichts...ja ja, hier wird Harmonie eben doch ganz gross geschrieben....



Nach geschaetzten zwei Stunden durften wir den voellig zugeraecherten Raum dann zumGlueck verlassen, nachdem uns noch kurz mit auf den Weg gegeben wurde, dass wir doch bitte das kleine Doerfchen Songan in Deutschland vermarkten sollten...ah ja, kein Problem!

Wir durften uns von dem touristischen Potenzial des O
rtes dann auch noch hoechst persoenlich ueberzeugen: Waehrend unsere Dozenten brav im Dorf auf uns warteten, gings auf dem Ruecksitz von Mopeds einen ziemlich steilen Hang hinauf. Der Weg war nicht wirklich optimal um ihn mit kleinen Mopeds zu bezwingen, aber nach ein paar riskanten Manoevern sind wir dann doch oben angekommen. Die Aussicht war wirklich unglaublich schoen, so etwas hatten wir unten im Dorf echt nicht erwartet.



Mit dem Versprechen all unseren Freunden von diesem Doerfchen zu erzaehlen, verabschiedeten wir uns dann von den Dorfbewohnern...

Auf dem Rueckweg gingen wir noch mit unseren Dozenten Essen, hielten an wunderschoenen Reisteressen und besuchten die Mutter einer Dozentin, die in Ubud wohnte....so wurde a
us dem kurzen Ausflug, ein ganz schoen langer Tag - gelohnt hast es sich aber auf jeden Fall!

Dienstag, 25. November 2008

Es wird es wird!

Wie ihr bestimmt schon bemerkt habe, bin ich ziemlich faul, was das Blog schreiben angeht! Und da ich das in den letzten Wochen so ziemlich vernachlaessigt habe, haenge ich jetzt ganz schoen und die Daten inner Ueberschrift stimmen nicht mehr mit den Ereignissen ueberein! Also, ich bin jetzt nicht auf Sulawsi, sondern auf Bali und mehr oder weniger fleissig am studieren!
Werde mich bemuehen in den naechsten Tagen den ganzen Kram aufzuschreiben den ich so erlebt habe und da es hier eh angefangen hat zu regenen, hab ich bestimmt ne Menge Zeit dafuer ;)

Trekking bis zum Umfallen oder "The Second Slaughtering"

Nachdem wir uns am naechsten Tag erstmal von den Erlebnisse der etwas ungewoehnlichen Beerdigung erholt haben, gings heute auf grosse Trekking Tour...wie ihr wisst, sind Lars und ich (na ja, sind wir mal ehrlich - eher Lars) grosse Trekking Fans und so beschlossen wir mit unserem Guide Johannes, der uns schon auf der Beerdigungszeremonie viele interessante Sachen erklaert hat, ins Bergland der Tana Toraja aufzubrechen um dann abends in einem traditionellen Dorf zu uebernachten. Nancy und Irmela konnten wir nach einiger Ueberzeugungsarbeit auch zu einer kleinen Wandertour ueberreden. Ausserdem begleitete uns noch Jean-Pierre, das Sprachgenie aus Belgien, den wir ja schon aus unserem Hotel kannten.



Nun ja, nachdem wir die erste Strecke gemuetlich auf dem Ruecksitz von Motoraedern zurueckgelegt hatten, stellte sich bald heraus, dass es wohl doch keine "kleine Wandertour" werden sollte, denn es ging steil bergauf und das bei schwuelen 35 Grad im Schatten.....
Zwar versuchte Johannes uns und vor allem Nancy und Irmela mit selbstgepflueckten Vanilleschoten und interessanten Geschichtchen aus seinem Leben zu motivieren, doch fuer die beiden Stand dann nach der Haelfte des Tages fest, dass sie schon morgen mit dem Bemo nach Hause fahren wuerden.



Unser Weg fuehrte uns unterdessen durch wunderschoene Reisterassen und Kakaoplantagen und in kleine traditionelle Toraja Doerfer wo wir kurze Pausen machten um mit den Kindern und Dorfaeltesten zu plaudern.

Irgendwann fing es dann an zu regnen und unsere tollen Ponchos, die wir extra gekauft haben, hatten wir natuerlich vergessen, aber kein Problem - Johannes zeigte uns, dass ein Bananenblatt auch kein schlechter Ersatz ist!



Gegen Abend kamen wir dann ziemlich erschoepft aber zufrieden in "unserem" Toraja Dorf an, wo wir uebernachten sollten. Ein altes Ehepaar hatte extra fuer uns ihr Haus geraeumt und dann sassen wir auf der Terasse, schauten den Kindern beim spielen zu und warteten bis es etwas zu essen gab. Wie sich schnell rausstellte, war dies ein ganz besonders traditionelles Dorf, denn als es dunkel wurde und wir die Gluehbirne anknipsen wollten, tat sich nichts: Strom, wie man uns erklaerte, gibt es hier wohl nur an manchen Tagen, wenn Benzin fuer den Generator da ist......Ah ja!



Also stolperten wir im Dunkeln zu der kleinen Kueche, in der uns das Grossmuettchern mit Tatkraeftiger Unterstuetzung von Johannes Reis und Huehnchen (das er extra fuer uns geschlachtet hatte, wie er stolz erklaerte) gekocht hatte und sassen beim gemuetlichen Licht einer Gaslampe auf dem Boden und redeten ueber Gott und die Welt (Johannes ist wirklich ein passionierter Christ und konnte gar nicht genug davon bekommen mit uns ueber Religion und Kinder kriegen und Dating in Deutschland zu diskutieren).
Spaeter sind wir dann todmuede ins Bett gefallen und haben versucht zu schlafen....hat auch fast geklappt, waeren da nicht diese nervigen Hunde in der Nacht und die Haehne am fruehen Morgen gewesen.



Nach wenig Schlaf und einem etwas einseitigem Fruehstueck aus trockenem Toast gings dann zu viert weiter, Nancy und Irmela hatten sich schon frueh auf zum naechsten Bemo gemacht, mit dem sie nach Rantepao fahren wollten.
Johannes erklaerte froehlich, dass wir dann ja nun den schwierigen Weg nehmen koennten und ich ahnte Schlimmes.... Unser hochmotivierter Guide wollte eine "neue Route" ausprobieren, doch leider kannte er selber auch nicht den Weg und so stolperten wir mehr oder weniger ziellos durch die Reisterassen, bei besonders steilen Abhaengen bekreuzigte sich Johannes und schaute zum Himmel, was mich nicht wirklich beruhigte und staendig mussten wir umkehren und nach dem Weg fragen. Dafuer wurden wir mit wunderschoener Landschaft und einem fantastischen Ausblick entschaedigt.



Irgendwann kamen wir in die Naehe eines Toraja Dorfes von dem ein mir seltsam bekannter "Geruch" aufstiegt. Und wirklich, nach kurzer Zeit bestaetigte sich meine Befuerchtung als Johannes uns freudig mitteilte, dass wir Glueck haetten und ein "second slaughtering" beobachten koennten! Oh nein, nicht schon wieder ne Beerdigung!

Wie uns Johannes erzaehlte war die Beerdigungszeremonie in diesem Dorf schon an ihrem letzten Tag, was hiess, dass heute alle Bueffel getoetet wurden. Was ich dann auf dem Dorfplatz sah glich einem Schlachtfeld oder einer Szene aus einem Splatter Movie: es lagen bestimmt 20 oder mehr Bueffelkadaver rum oder besser gesagt, dass was von ihnen uebrig gelieben war, denn die Dorfbewohner waren fleissig gewesen und hatten grosse Haufen von Eingeweiden, Knochen, Schaedeln, Haueten und ausgeleerten Maegen gemacht....da lagen sie nun fein saeubrlich sortiert seit drei Tagen in der Sonne! Ihr koennt euch vielleicht vorstellen, was fuer ein uebler Geruch mittlerweile durch das Dorf wehte!



Ich waere am Liebsten sofort wieder gegangen, dass hier war wirklich schlimmer als alles was ich bei der ersten Beerdigung vor zwei Tagen gesehen hatte, aber die Toraja Leute freuten sich wie die Schneekoenige ueber unseren Besuch und luden uns zu Tee und Keksen ein...
Appetit hatte ich nun wirklich keinen mehr, aber nachdem uns erklaert wurde, dass gleich der Priester kommen sollte um einen Gottesdienst an Ort und Stelle zu veranstalten, konnten wir die Einladung nun wirklich nicht ablehnen.

Da sassen wir nun, jeder mit der Tasse Tee inner Hand, einem Teller Plaetzchen vor uns, von dem sich Johannes auch reichlich bediente und machten ein paar Fotosessions mit den Dorfbewohnern. Ich versuchte mir dabei so unauffaellig wie moeglich die Nase zuzuhalten oder nicht zuviel zu atmen.



Kurze Zeit spaeter kam wirklich eine Pastorin und hielt unbeeindruckt von den riesigen blutigen Fleischhaufen die da vor ihr lagen einen Gottesdienst ab. Denn die Toraja sind ja eigentlich Christen und so sangen sie alle besgeistert die Kirchenlieder mit. Das hier war wohl die ungewoehlichste Predigt die ich je gesehen habe und ein gutes Beispiel dafuer, wie dicht christliche Religion und animistischer Glaube in Indonesien nebeneinander exestieren koennen.

Ein aufziehendes Gewitter bot uns dann die Gelegenheit uns unbemerkt davon zu schleichen (die Pastorin hatte uns vorher staendig im Auge, sodass sich Johannes nicht traute aufzubrechen), denn wir wollten ja moeglichst im Trockenen nach Hause kommen. Haben wir dann auch geschafft, dank einiger Jungs die uns in rasantem Tempo auf ihren Motoraedern zurueck nach Rantepao fuhren.

Jetzt hab ich aber erstmal wirklich genug von Beerdigungszeremonien!

Dienstag, 18. November 2008

Beerdigung auf Toraja Art

Nachdem ich schon so einiges ueber Beerdigungen im Toraja Land zuhause in Deutschland gelesen habe, sollte ich heute die Gelegenheit bekommen selber eine quasi 'live" zu erleben.
Die Toraja sind eigentlich Christen, haben sich
aber diese uralte animistische Tradition der Beerdigungszeremonien bewahrt. Die Beerdigung ist der wichtigste Tag im "Leben" der Toraja und zu Ehren des Verstorbenen werden jede Menge Bueffel geschlachtet, die dann die Seele des Toten in den Himmel begleiten sollen.



Frueh morgens gings mit unserem Guide Johannes los in Richtung Festplatz...auf dem Weg dorthin sind uns schon viele Gaeste begegnet, die sich - gekleidet in traditioneller Tracht und beladen mit allerlei Geschenken wie lebenden Schweinen die an Bambusstangen hingen, Bueffeln, Reis, Zucker und Zigaretten - in einer Prozzesion auf zum Dorf machten.



Beerdigungen sind hier sozusagen DAS Ereignis im Toraja Land und je mehr Gaeste kommen, desto hoeher das Ansehen des Verstorbenen und der Familie...natuerlich kostet so eine Beerdigung sehr viel Geld, zum einen weil man hunderte Gaeste bewirten muss und zum anderen weil jede Menge Bueffel (bis zu 30 Bueffel pro Beerdigung) und Schweine zu Ehren des Toten geschlachtet werde....besonders die weissen Bueffel sind begehrt und koennen bis su tausend Euro pro Tier kosten...das is natuerlich ne Menge Geld hier und damit sich die Familien so eine Zeremonie leisten koennen, wird oft ein Leben lang gespart!




Wenn eine Person dann "zu frueh" stirbt oder zu einem unguenstigen Zeitpunkt, an dem grad keiner Zeit fuer eine Beerdigung hat, wird einfach so getan als ob nix passiert waere.... der oder die Verstorbene "wohnt" einfach weiterhin mit im traditionellen Toraja Haus, zwar im Hinterzimmer wegen des Geruchs, aber trotzdem wird weite mit der Person geredet, Essen und Trinken hingestellt und Zigaretten angeboten...das kann sogar Jahre so gehen...aehm ja...etwas gewoehnungbeduerftig fuer europaeische Gemueter!



Ist dann ge
nung Geld fuer die Zeremonie da und hat der Priester sein OK gegeben, werden alle Verwandte, Freunde, Bekannte und wichtigen Leute eingeladen....
In der Mitte des Dorfes wird ein grosser, oft reich geschmueckter Festplatz errichtet...die Gaeste ziehen in einer Prozession im Dorf ein und ueberreichen ihre Geschenke...dabei ertoent eine endlose Lit
anai uber das Leben des Verstorbenen ueber Lautsprecher.
Dann geht der blutige Teil der Zeremonie los....nichts fuer schwache Gemuerter oder Tierfreunde wie ich es bin: Mitten auf dem Platz und gut sichtbar fuer alle werden die Bueffel mit einem Schnitt durch die Halsschlagader getoetet und an Ort und Stelle ausgenommen.....das passiert dann auf dem sandigen Dorfplatz und ueberall werden riesen Fleischstuecke, Maegen, Bueffelkoepfe und andere Innereien gelagert und das bei 30 Grad! Ihr koennt Euch vorstellen, was fuer eine Vielzahl von - ich nenn es mal Geruechen - sich da entwickelt!

Als wir den Festplatz frueh morgens erreicht haben, war das Toeten der Bueffel zum Glueck schon vorbei...allerdings ist es auch nicht gerade angenehm zur Fruehstueckszeit einen Haufen von Eingeweiden, zerlegten Bueffeln, ausgeleerten Bueffelmaegen und abgeschlagenen Koepfe fein saeuberlich aufgereiht und sortiert, zu sehen - von dem Geruch einmal ganz abgesehen....den anderen Gaesten hat dieser Anblick anscheinend aber nichts ausgemacht, den es wurde froehlich geplaudert, getrunken und gegessen, getanzt und gesungen und Kinder spielten mit abgeschnitten, an Schnueren befestigten Bueffelfuessen......wie niedlich!


Zwischen dem blutigen Haufen von Bueffelresten wurden dann die an Bambusstangen gebundenen Schweine "gelagert"...es wurden immer mehr Tiere gebracht, die schrien wie am Spiess (na ja, irgendwie waren sie das ja auch) bis es bestimmt hundert Stueck waren...da lagen sie dann quieckend und warteten auf ihr Ende.



Wir wurden dann von unseren Gastgebern auf eine der vielen Tribuenen, auf denen die Gaeste bewirtet werden, gebeten und mit Tee sowie frisch gebackenen Plaetzchen versorgt...ihr koennt Euch vorstellen dass sich mein Appetit nach dem Schauspiel auf dem Dorfplatz in Grenzen hielt, vor allem nachdem uns jemand zu Ehren ein blutiges Stueck Fleisch direkt in unseren Eingang warf (das landete ungluecklicherweise auf Irmelas weissen Turnschuhen) und in meiner unmittelbaren Naehe an einem Stueck Bueffelhaut herumgeschabt wurde.

Trotz einiger sehr gewoehnungsbeduerftiger Eindruecke war diese Zeremonie sehr interessant und faszinierend und wir haben ganze vier Stunden auf der Beerdigung verbracht. Es ist besonders beeindruckend wie anders die Leute hier mit dem Tod umgehen! Es wird nicht so sehr getrauert sondern viel mehr die Chance genutzt noch einmal mit der verstorbenen Person zu "feiern" und ihr die letzte Ehre zu erweisen.
Nachdem die Tribuenen immer voller wurden und kein Platz mehr fuer ankommende Gaeste war, sind wir gegangen und haben uns von den vielen Eindruecken des Tages erholt...nach einer Stunde kam dann auch der Hunger wieder und wir sind in eine Warung essen gegangen...nur auf Fleisch hatte ich jetzt nicht wirklich Appetit ;)

Dienstag, 14. Oktober 2008

Reisterrassen, Wasserbueffel und lustige Taenze...

27.09.08
Nach dem ersten wenig spektakulaeren Tag in Rantepao, an dem wir die Stadt erkundigt haben und uns nach sinnflutartigen Regenfaellen mit modischen Plastikponchos ausgestattet haben, schien heute zum Glueck wieder die Sonne. Gestern nacht sind noch Irmela und Nancy angekommen, die einen Tag spaeter als wir geflogen waren...leider hatten sie nicht ganz soviel Glueck mit ihrem Bus, der trotz "Super Executive" keine Klimaanlage hatte...dementsprechend fertig waren die beiden, sodass wir uns alle erstmal ausgeschlafen haben...(ich erinnere an das wunderschoene Froschkonzert, dass mich 2 Stunden daran gehindert hat einzuschlafen...)

Mittags gings dann los zu unserer ersten kleinen Tour: mit dem Bemo gings nach Lempo hoch in den Bergen...hier waren die Temperaturen fuer indonesische Verhaeltnisse echt kuehl! Auf der kurvenreichen Fahrt dorthin konnte man schon die atemberaubende Landschaft erkennen...Reisterassen wie aus dem Bilderbuch, traditionelle Toraja Haeuser mit Bueffel Hoernern geschmueckt und jede Menge Wasserbueffel, die es sich im Schlamm der Reisfelder gemuetlich gemacht haben.


Oben angekommen dauerte es keine 10 min bis uns die ersten Schulkinder froehlich mit "Hello Mistaaaa" und "Gula-Gula" (Suessigkeiten) begruessten. Als wir dann auf Indonesisch geantwortet haben, brachen sie in schallendes Gelaechter aus...muss wohl ziemlich komisch klingen, wenn "Orang Bul'e" (Weisse Leute) Indonesisch sprechen...Na toll ;)



Auf unserem Weg durch kleine idyllische Doerfer und Reisfelder wurde wir nun staendig durch diese freundlichen und neugierigen Rufe begleitet...selbst wenn man gar keine Menschen sah, ertoente doch oft ein "Haaalooo"...wollten es sich die Dorfbewohner doch nicht nehmen lassen, uns zu begruessen, auch wenn sie keine Lust hatten, ihre Huette dafuer zu verlassen ;)



Nachdem wir uns in einem kleinen lokal mit wunderschoenem Ausblick fuer den weiteren Weg gestaerkt haben, machten wir als naechsten beim "Objekt Wisata - Baby Grave" halt...schon etwas merkwuerdig, dass hier Kindergraeber als Touristenattraktion verkauft werden....Als Dank fuer die 10.000 Rp "Spende" bekamen wir dann noch traditionelle Taenze von der oertlichen Tanztruppe aufgefuehrt....dafuer hatten sie extra ihre zum Teil sehr lustigen Verkleidungen aus Blaetter usw angelegt....nachdem wir uns bestimmt 5 Taenze angeschaut haben, durften wir dann auch weiter gehen.....





Mittlerweile waren wir schon den ganzen Tag unterwegs und schon ziemlich fertig...ausserdem wurde es schon langsam dunkel....da haben wir kurzerhand das naechstbeste Fahrzeug angehalten und gefragt ob wir mit duerfen...kein Problem! Wie sich dann herausstellte, war das besagte Fahrzeug ein Schweinetransporter - heute zum Glueck ohne lebendes Vieh auf der Ladeflaeche, dafuer jetzt mit vier weissen, die sich verzeifelt an dem Gelaender festkrallten um bei dem rasanten Tempo nicht in den Graben zu fliegen. Ihr koennte Euch vorstellen, dass so einiges Aufsehen erregt haben als wir nun hoch oben auf unserem Transporter den lachenden Indonesiern zugewunken haben....


So ein erlebnisreicher Tag macht hungrig uns so sind wir abends dann noch alle mit einem Jeff und Mrion, einem franzoesischem Paerchen, das auch in unserem Losmen wohnte und Jean-Pierre, einem lustigen Belgier, der unglaubliche 9 (!) Sprachen spricht in das so ziemlich einzige Restaurant Rantepaos gegangen. Wir waren nicht lange allein, denn schon kurz nachdem wir unser Essen bestellt haben, stimmte Kerl, der aussah wie die indonesische Version von "Meister Propper" zu unserem Erstaunen ein deutsches Liedchen an..."du, du bist alles was ich habe auf dieser Welt..." erwollte dann wissen, wie der Text weitergeht...nun ja, das war dann doch nicht ganz unser Musikgeschmack....aber es stellte sich heraus, dass "Adjuk" Musiker aus Jakarta war und auch etwas modernere Lieder zum Besten geben konnte. So wurde es noch ein sehr unterhaltsamer Abend (besonders fuer die Indonesier, die auch in dem Lokal sassen) da orang Bul'e, ermutigt durch ein ppar Bintangs (Bier), zusammen mit Adjuk so ungefaehr die gesamte Hitlist der Evergreens durchtraellerte.....Um zwei sind wir dann nach der obligatorischen Fotosession mit den Indonesiern todmuede nach Hause gewangt...