Dienstag, 18. November 2008

Beerdigung auf Toraja Art

Nachdem ich schon so einiges ueber Beerdigungen im Toraja Land zuhause in Deutschland gelesen habe, sollte ich heute die Gelegenheit bekommen selber eine quasi 'live" zu erleben.
Die Toraja sind eigentlich Christen, haben sich
aber diese uralte animistische Tradition der Beerdigungszeremonien bewahrt. Die Beerdigung ist der wichtigste Tag im "Leben" der Toraja und zu Ehren des Verstorbenen werden jede Menge Bueffel geschlachtet, die dann die Seele des Toten in den Himmel begleiten sollen.



Frueh morgens gings mit unserem Guide Johannes los in Richtung Festplatz...auf dem Weg dorthin sind uns schon viele Gaeste begegnet, die sich - gekleidet in traditioneller Tracht und beladen mit allerlei Geschenken wie lebenden Schweinen die an Bambusstangen hingen, Bueffeln, Reis, Zucker und Zigaretten - in einer Prozzesion auf zum Dorf machten.



Beerdigungen sind hier sozusagen DAS Ereignis im Toraja Land und je mehr Gaeste kommen, desto hoeher das Ansehen des Verstorbenen und der Familie...natuerlich kostet so eine Beerdigung sehr viel Geld, zum einen weil man hunderte Gaeste bewirten muss und zum anderen weil jede Menge Bueffel (bis zu 30 Bueffel pro Beerdigung) und Schweine zu Ehren des Toten geschlachtet werde....besonders die weissen Bueffel sind begehrt und koennen bis su tausend Euro pro Tier kosten...das is natuerlich ne Menge Geld hier und damit sich die Familien so eine Zeremonie leisten koennen, wird oft ein Leben lang gespart!




Wenn eine Person dann "zu frueh" stirbt oder zu einem unguenstigen Zeitpunkt, an dem grad keiner Zeit fuer eine Beerdigung hat, wird einfach so getan als ob nix passiert waere.... der oder die Verstorbene "wohnt" einfach weiterhin mit im traditionellen Toraja Haus, zwar im Hinterzimmer wegen des Geruchs, aber trotzdem wird weite mit der Person geredet, Essen und Trinken hingestellt und Zigaretten angeboten...das kann sogar Jahre so gehen...aehm ja...etwas gewoehnungbeduerftig fuer europaeische Gemueter!



Ist dann ge
nung Geld fuer die Zeremonie da und hat der Priester sein OK gegeben, werden alle Verwandte, Freunde, Bekannte und wichtigen Leute eingeladen....
In der Mitte des Dorfes wird ein grosser, oft reich geschmueckter Festplatz errichtet...die Gaeste ziehen in einer Prozession im Dorf ein und ueberreichen ihre Geschenke...dabei ertoent eine endlose Lit
anai uber das Leben des Verstorbenen ueber Lautsprecher.
Dann geht der blutige Teil der Zeremonie los....nichts fuer schwache Gemuerter oder Tierfreunde wie ich es bin: Mitten auf dem Platz und gut sichtbar fuer alle werden die Bueffel mit einem Schnitt durch die Halsschlagader getoetet und an Ort und Stelle ausgenommen.....das passiert dann auf dem sandigen Dorfplatz und ueberall werden riesen Fleischstuecke, Maegen, Bueffelkoepfe und andere Innereien gelagert und das bei 30 Grad! Ihr koennt Euch vorstellen, was fuer eine Vielzahl von - ich nenn es mal Geruechen - sich da entwickelt!

Als wir den Festplatz frueh morgens erreicht haben, war das Toeten der Bueffel zum Glueck schon vorbei...allerdings ist es auch nicht gerade angenehm zur Fruehstueckszeit einen Haufen von Eingeweiden, zerlegten Bueffeln, ausgeleerten Bueffelmaegen und abgeschlagenen Koepfe fein saeuberlich aufgereiht und sortiert, zu sehen - von dem Geruch einmal ganz abgesehen....den anderen Gaesten hat dieser Anblick anscheinend aber nichts ausgemacht, den es wurde froehlich geplaudert, getrunken und gegessen, getanzt und gesungen und Kinder spielten mit abgeschnitten, an Schnueren befestigten Bueffelfuessen......wie niedlich!


Zwischen dem blutigen Haufen von Bueffelresten wurden dann die an Bambusstangen gebundenen Schweine "gelagert"...es wurden immer mehr Tiere gebracht, die schrien wie am Spiess (na ja, irgendwie waren sie das ja auch) bis es bestimmt hundert Stueck waren...da lagen sie dann quieckend und warteten auf ihr Ende.



Wir wurden dann von unseren Gastgebern auf eine der vielen Tribuenen, auf denen die Gaeste bewirtet werden, gebeten und mit Tee sowie frisch gebackenen Plaetzchen versorgt...ihr koennt Euch vorstellen dass sich mein Appetit nach dem Schauspiel auf dem Dorfplatz in Grenzen hielt, vor allem nachdem uns jemand zu Ehren ein blutiges Stueck Fleisch direkt in unseren Eingang warf (das landete ungluecklicherweise auf Irmelas weissen Turnschuhen) und in meiner unmittelbaren Naehe an einem Stueck Bueffelhaut herumgeschabt wurde.

Trotz einiger sehr gewoehnungsbeduerftiger Eindruecke war diese Zeremonie sehr interessant und faszinierend und wir haben ganze vier Stunden auf der Beerdigung verbracht. Es ist besonders beeindruckend wie anders die Leute hier mit dem Tod umgehen! Es wird nicht so sehr getrauert sondern viel mehr die Chance genutzt noch einmal mit der verstorbenen Person zu "feiern" und ihr die letzte Ehre zu erweisen.
Nachdem die Tribuenen immer voller wurden und kein Platz mehr fuer ankommende Gaeste war, sind wir gegangen und haben uns von den vielen Eindruecken des Tages erholt...nach einer Stunde kam dann auch der Hunger wieder und wir sind in eine Warung essen gegangen...nur auf Fleisch hatte ich jetzt nicht wirklich Appetit ;)

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